Hermann-Böse-Gymnasium

IB World School • Europaschule

Die Geschichte der Schule

Das Gymnasium an der Hermann-Böse-Straße ist das einzige durchgängige (7-13) bilinguale Gymnasium in Bremen. Sein Wahrzeichen ist der Elefant, der vor der Schule auf einem Stück Grünfläche steht. Er ist eigentlich ein Denkmal für die Opfer der kolonialen Herrschaft der Deutschen und allen anderen Ländern.
Im Jahr 2005 feierte die Schule ihr 100 jähriges Jubiläum. 

Der Name der Straße kommt von einem Musiklehrer namens Hermann Böse, der auf dieser Schule tätig war. Er war ein Kommunist und wurde zur Zeit des Dritten Reiches von den Nazis inhaftiert und in ein KZ deportiert; er wurde schwer krank und starb zwei Tage nach seiner Entlassung.

Das Gebäude und seine Nutzung

Die Schule wurde 1903 bis 1906 nach Plänen der Charlottenburger Architektengruppe Ferdinand Köhler, Paul Kranz und O. Gröffel erbaut. Sie hatten das Preisausschreiben der Stadt für den Bau des neuen Realgymnasiums gewonnen. Am 19. April 1906 konnte die Schule eröffnet werden. Das Gebäude hatte mit relativ geringen Schäden den 2. Weltkrieg überstanden. Es wurde 1977 als erstes Schulgebäude in Bremen unter Denkmalschutz gestellt. Das erwies sich schließlich als einer der Gründe – neben anderen -, dass der Schulstandort Hermann-Böse-Straße 1988/89 nicht aufgegeben wurde.

Mit dem Aufbau des bilingualen Gymnasiums seit 1991 wurden Umbauten und Neueinrichtungen im Gebäude notwendig, um den Unterrichtsanforderungen an die sich bildende Sekundarstufe I gerecht werden zu können.
Auch im Nebengebäude wurden wieder Unterrichtsräume eingerichtet. Mit der vollständigen bilingualen Sekundarstufe I ist das Schulgebäude wieder am Rande seiner Aufnahmekapazität angelangt.1993 begannen auf Anregung der Schüler die Planungsarbeiten für eine Cafeteria. Das gab im Januar 1994 dem Leistungskurs Kunst 13/2 mit dem Semesterthema „Innenraumgestaltung" die Möglichkeit, sich intensiv mit der Raumgestaltung nach den aus Schülern, Eltern und Lehrer bestehenden Planungsgremium vorgegebenen Funktionen und den zur Verfügung stehenden Möbeln zu befassen.

Die Schule und ihre Namen

1905-1937

Realgymnasium

1937-1938

Oberschule für Jungen an der Kaiser-Friedrich-Straße

1938-1945

Lettow-Vorbeck-Schule

1945-1947

Oberschule für Jungen an der Kaiser-Friedrich-Straße

1947-1950

Oberschule für Jungen an der Hermann-Böse-Straße

1950-1957

Oberschule für Jungen (Zweig D) an der Hermann-Böse-Straße

1957-1959

Gymnasium an der Hermann-Böse-Straße (mathematisch-naturwissenschafliches, neusprachliches Gymnasium)

1959-1964

Gymnasium an der Hermann-Böse-Straße (mathematisch-naturwissenschafliches, neusprachliches Gymnasium, Wirtschaftsgymnasium)

1964-1976

Gymnasium an der Hermann-Böse-Straße (mathematisch-naturwissenschafliches, neusprachlliches und wirtschaftswissenschaftliches  Gymnasium)

1976-1993

Gymnasium an der Hermann-Böse-Straße (Gymnasiale Oberstufe der Sekundarstufe II)

1993-2005

Gymnasium an der Hermann-Böse-Straße (Bilinguales Gymnasium, Gymnasiale Oberstufe)

ab 2005

Hermann-Böse-Gymnasium

Wer war Hermann-Böse?

Hermann Böse lebte von 1870-1943 und war von 1907-1933 an der später nach ihm benannten Schule (damals das "Realgymnasium") Musiklehrer. Er wurde in einem Seminar als Lehrer ausgebildet, allerdings ohne spezielle Ausbildung für einzelne Fächer.Böse begann sofort, ein Orchester aufzubauen, das 1912 bereits 34 Mitglieder hatte und sich dann in den 20er Jahren zu einem der größten Schulorchester in ganz Deutschland entwickelte. Auf seinem Höhepunkt gehörten ihm über 250 Musiker an, ca. 40der Schülerschaft.

Aber Hermann Böse war nicht nur als Musiklehrer aktiv. Seit 1894 war er Mitglied der SPD, seit 1905 Chorleiter des Arbeitergesangvereins (AGV). Seine Aufgabe sah Böse bei dieser Arbeit darin, neben der Freude an der Musik den Arbeitern auch Bildung zu vermitteln. Daneben war er noch Mitarbeiter an der "Bremer Bürgerzeitung" (BBZ), dem örtlichen Parteiorgan der SPD in Bremen. 1918 trat Böse in die KPD (Kommunistische Partei Deutschlands) ein.
Am 10. Januar 1919 wurde die "Sozialistische Republik in Bremen" (Räterepublik) ausgerufen. Es wurden neun Volkskommissariate eingerichtet. Hermannn Böse wurde Leiter des  "Volkskommissariats für Schul- und Bildungswesen". Für die Wahlen zur Bremischen Nationalversammlung am 9.3.1919 konnte die KPD Hermann Böse als Spitzenkandidat gewinnen, sie errang 7,7 der Sitze und 15 Mandate. Allerdings lehnten die Kommunisten das parlamentarische System ab.

Hermann Böse trat nicht nur als Dirigent und Musiklehrer in Schule und Arbeiterschaft hervor. Er hat selber Klavier- und Orgelkonzerte gegeben. Seine Begabung lag auch im Dichten und Komponieren von Liedern. Zudem gab er einige Liederbücher heraus. Hermann Böse engagierte sich sehr für seine Schüler, sie haben ihn geliebt und bewundert. Chor und Orchester führte er zu immer neuen großen Aufgaben bis hin zum Auftritt im Radio.
Schon 1931 erkrankt, mußte er sich schließlich 1933 pensionieren lassen. Als ihm 1933 als Kommunist die Pension gekürzt wurde, hatte ihm ein ehemaliger Schüler, damals in hoher SA-Position, jahrelang monatlich 100 Reichsmark überwiesen.
1942 erfuhr die Gestapo, dass eine kommunistische Gruppe aus Hamburg sich mit Böse in Verbindung gesetzt und er Propagandamaterial verteilt haben soll. Im November 1942 wurde er verhaftet und kam in in das Gefängnis Hamburg-Fuhlsbüttel. Seine Freilassung 1943 hatte wahrscheinlich ebenfalls ein ehemaliger Schüler betrieben. Am 15.7.1943 wurde er schwer krank entlassen. Zwei Tage später starb er.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand wieder ein Arbeitergesangverein in Bremen, der sich "Hermann-Böse-Chor" nannte. Am 30.1.1947 stellte ein KPD-Abgeordneter in der Bürgerschaft den Antrag, die jetzt "Gymnasium an der Hermann-Böse-Straße" genannte Schule nach Hermann Böse zu benennen und eine Büste im Gebäude aufzustellen. Der zweite Punkt des Antrags wurde erfüllt. Das Holzrelief von Rudolf Gangloff mit Hermann Böse als Dirigent und den Zahlen "1907-1933", der Zeit seines Wirkens an der Schule, findet man an der Wand neben dem Musikraum.

Die Benennung "Hermann-Böse-Gymnasium" lehnte die Schuldeputation aus negativen Erfahrungen des 3. Reiches ab. Einem weiteren Antrag der KPD, die Kaiser-Friedrich-Straße in Hermann-Böse-Straße umzubenennen, wurde jedoch stattgegeben. Daher lautet der offizielle Name der Schule bis heute: Gymnasium an der Hermann-Böse-Straße.
Im täglichen Sprachgebrauch hat sich seit Jahren das HBG - Hermann-Böse-Gymnasium - eingebürgert, die späte Ehrung durch eine Generation, die durch das 3. Reich nicht mehr unmittelbar geprägt ist.

Die Bedeutung des Elefanten

Viele wundern sich vielleicht über die vielen Elefanten auf unserer Seite. Der Elefant ist unser Schulsymbol, sozusagen unser Maskottchen. Der Original-Elefant steht gegenüber unserer Schule; gemauert aus Stein beträgt seine Höhe ca. 10 Meter. Was viele nicht wissen: Der Elefant ist ein ehemaliges Kolonial-Ehrenmal, das im Laufe der Zeit zu einem Anti-Kolonial-Denkmal wurde. Das Deutsche Kolonial-Ehrenmal, ein Werk des Münchener Bildhauers Fritz Behn, wurde 1931 von der Deutschen Kolonialgesellschaft Bremen errichtet und am 6. Juli 1932 eingeweiht.

Das Ehrenmal war schon damals in Bremen umstritten. An ihm entzündete sich die öffentliche Auseinandersetzung um die Frage nach der Zukunft des Zusammenlebens von Völkern: in kolonialer Unterdrückung oder in einem gleichberechtigten Miteinander.
Über einer Krypta erinnerte der steinerne Elefant an die Gefallenen des ersten Weltkriegs in den ehemals deutschen Kolonien Afrikas. Zugleich war der Elefant Ausdruck Deutschlands kolonialer Vergangenheit wie auch der Forderung neokolonialer Bremer Kreise nach Rückgabe des ehemals deutschen Kolonialbesitzes.
In der NS-Zeit stand der Elefant im Mittelpunkt von Bestrebungen des nationalsozialistischen Bremen, "Stadt der Kolonien" im "Dritten Reich" zu werden.

Afrikas Probleme sind noch heute mit Kolonialismus, Rassismus und andauernder Ausbeutung eng verbunden. Seine Menschen haben unter großen Opfern in Befreiungskämpfen erfolgreich Widerstand geleistet und weltweit haben sich viele Menschen mit ihnen solidarisiert. Unsere Gesellschaft hat begonnen, aus dieser Entwicklung zu lernen.

Afrika hat in Bremen neue Freunde gefunden. Dieses Denkmal ist ein Symbol für die Verantwortung, die uns aus der Geschichte erwächst.

Der Elefant, die Schulzeitung

Der ELEFANT, die Schulzeitung des Gymnasiums an der Hermann Böse Straße, feiert bald ihren 50. Geburtstag. Doch wie ist es denn eigentlich möglich gewesen, dass eine Schulzeitung bei doch recht schnell wechselnder Schülerschaft so kontinuierlich erschien? Das liegt sicher u.a. daran, dass der Schulverein diese Schulzeitung herausgibt. Bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1991 betreute Dr. Dietrich Konsor die Schulzeitung, nach ihm hat Rolf Gramatzki diese Aufgabe übernommen.

Der ELEFANT stellt Schülern und Eltern die Aktivitäten der Schule vor, und ist meistens die einzige Möglichkeit für Ehemalige zu erfahren, was an ihrer alten Schule sich alles so Neues tut. So entstand über die Jahre eine immer fortlaufende Chronik. Der ELEFANT informiert über alles Wissenswerte (Entwicklungen, Aktivitäten), der "Bericht zur Lage" steht immer noch am Anfang und beleuchtet die "innen-und außenpolitische" Lage aus Sicht der Schulleitung. Auch Berichte über die Abiturienten und ihrer Entlassung, Fahrten, Sportereignisse und andere Erfolge haben Tradition im ELEFANT.